CTCA-Letter Oktober 2015

 

CTCAletter Okt. 2015

Das Centrum für Therapiesicherheit in der Chinesischen Arzneitherapie (CTCA) möchte in diesem Newsletter wieder einige sicherheitsrelevante oder aktuell interessierende Informationen zur Chinesischen Arzneitherapie für Fachkreise zur Verfügung stellen. Gleichzeitig nehmen wir die Gelegenheit wahr mitzuteilen, dass wir uns freuen, dass jetzt auch die Länder Österreich und die Schweiz mit Gesellschaften im CTCA vertreten sind.

Die das CTCA tragenden Gesellschaften sind (in alphabetischer Reihenfolge): die AG Deutscher TCM-Apotheken (TCM-Apo AG), die AG für Klassische Akupunktur und TCM (AGTCM), die Deutsche Ärztegesellschaft für Akupunktur (DÄGfA), die Gesellschaft für die Dokumentation von Erfahrungsmaterial der Chinesischen Arzneitherapie (DECA), die Internationale Gesellschaft für Chinesische Medizin (SMS), die Schweizerische Berufsorganisation für TCM (SBO-TCM) und die Wiener Schule für TCM (WSTCM). Zusätzlich sind qualifizierte Einzelpersonen Mitglied im CTCA.

Phototoxische Reaktion nach externer Anwendung von Psoraleae Fructus (bu gu zhi)

Beim CTCA ging eine Fallmeldung ein, bei der es nach externer Anwendung einer Rezeptur, die u.a. Psoraleae Fructus (bu gu zhi) enthielt, zu einer großflächigen Rötung und Entzündung mit Blasenbildung kam, was eine mehrtätige stationäre Behandlung einschließ­lich Blasenabtragung in Allgemeinnarkose zur Folge hatte. Es war vergessen worden, die Patientin darauf hinzuweisen, dass sie eine Solariumanwendung strikt zu vermeiden hat. Bu gu zhi enthält hohe Anteile von Furocumarinen (u.a. Psoralene), die phototoxisch wirken. Dieser Effekt wird in der sog. PUVA-Therapie mit 8-Metoxypsoralen bei Psoriasis und anderen Hauterkrankungen gezielt genutzt, hier jedoch exakt und vorsichtig dosiert mit der Reinsubstanz. Dennoch können derartige Nebenwirkungen darunter auftreten. Das CTCA rät von der topischen Anwendung von bu gu zhi generell ab, da der Effekt bei den sehr unterschiedlichen Wirkstoffgehalten, die für pflanzliche Zubereitungen typisch sind, nicht zu steuern ist. Auch bei innerer Anwendung muss eine stärkere Sonnenbestrahlung oder gar ein Solariumbesuch unbedingt vermieden werden. Die Wirkung von bu gu zhi bei Vitiligo ist dabei zweifelhaft, weil evt. die gesunde Haut ebenfalls oder sogar überwiegend gebräunt wird. Auch andere pflanzliche Drogen, z.B. der Gattung Angelica, enthalten Furocumarine, die bei stärkerer UV-Exposition phototoxische Reaktionen, wenn auch geringeren Ausmaßes, auslösen können. Bekannter ist diese Eigenschaft von Johanniskraut, doch kommt es hier in der Praxis nur sehr selten zu Problemen. Auch nach Genuss von nicht mehr ganz frischem Sellerie oder anderen Gemüsesorten sind schon ähnliche Reaktionen aufgetreten.

Der Einsatz von Arzneidrogen mit Phytoöstrogen-Wirkung bei hormonabhängigen Tumoren wird als kritisch angesehen.

Eine Studie aus Taiwan untersuchte bei mit Tamoxifen behandelten Brustkrebspatientinnen den Zusammenhang von danggui (Angelicae sinensis Radix)-Einnahme mit dem Auftreten von Endometriumkarzinomen. Danggui wird eine Phytoöstrogen-Wirkung zugeschrieben. Fast jede zweite untersuchte Brustkrebspatientin in der Studie hatte danggui-haltige Zubereitungen eingenommen. Das Risiko für Endometriumkarzinome wird durch Östrogene allgemein erhöht. Unter Einnahme von danggui war das Risiko jedoch vermindert (hazard ratio=0,61).

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25485843

Anmerkung: Es handelt sich hier nicht um eine Interventionsstudie, d.h. der Zusammenhang zwischen danggui-Einnahme und Risikosenkung muss nicht ein kausaler sein. Leider wurde nicht das Brustkrebs-Rezidivrisiko untersucht, was von besonderem Interesse gewesen wäre.

Eine weitere Studie derselben Autoren untersuchte, wie oft parallel zu einer Hormon-Ersatz-Therapie (HRT) in der Menopause Chinesische Arzneitherapie (CA) rezeptiert wurde. Ergebnis: Mehr als jede fünfte der taiwanesischen Studienteilnehmerin hatte beide Therapierichtungen parallel angewendet. Für das Auftreten von Brustkrebs gab es keine signifikanten Unterschiede zu den Frauen, die HRT allein angewendet hatten.

Free download unter: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24987432

Eine andere Studie aus Taiwan verglich das Überleben von mit Taxanen behandelten Brustkrebspatientinnen, die zusätzlich CA anwandten, mit ebensolchen, die dieses nicht taten. Unter Einnahme von CA ergab sich eine signifikant bessere Überlebensrate (HR 0,55). Die besten Ergebnisse waren mit der Einnahme von bai hua she she cao, ban zhi lian und huang qi assoziiert.

Free download unter: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24496917

Anmerkung: Auch hier kann man aus o.g. Gründen nicht zwangsläufig auf einen kausalen Zusammenhang schließen. Die Autoren schlussfolgern, dass kontrollierte randomisierte Studien nötig sind, um die Ergebnisse zu validieren. Bei der CA handelte es sich um Mittel, die auf Kosten der Krankenversicherung verordnet wurden. Die Behandlung könnte sich, da von qualifizierten TCM-Ärzten rezeptiert, primär auf Rezeptor-negative Tumore konzentriert haben oder auf Drogen, von denen keine negativen Phytoöstrogen-Effekte bekannt sind.

Eine experimentelle Studie aus Taiwan zeigt, dass die Gabe von si wu tang (SWT) mit einer Tamoxifen- plus Trastuzumab-Therapie von Brustkrebs interagiert. Danach steigerte die Gabe von SWT das Tumorwachstum von Brustkrebszellen in Mäusen, die mit den beiden anderen Mitteln (die häufig zur Therapie bei Brustkrebs eingesetzt werden) behandelt wurden.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23340260

CA bei supprimierter Knochenmarksfunktion unter Chemo- und Radiotherapie:

Die Formel fufang e jiao jiang (bestehend aus: e jiao, dang shen, ren shen, shan zha und shu di huang) konnte bei Mäusen, bei denen mit Strahlentherapie, Cyclophosphamid und Chloramphenicol eine reduzierte Knochenmarksfunktion induziert wurde, u.a. die hämatopoietischen Progenitorzellen und in hoher Dosis auch die hämatopoietischen Stammzellen erhöhen.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24534527

Eine Studie aus Hongkong mit immerhin 240 Teilnehmern untersuchte die Wirkung zweier chinesischer Rezepturen bei allergischer Rhinitis gegen Placebo. Bei der einen Rezeptur (CS) handelte es sich um eine solche aus 12 Komponenten (huang qi, dang shen, bai zhu, gan jiang, gui zhi, da zao, zhi fu zi, xi xin, xin yi, huai xiao mai , ai ye und yi tang (=Saccharum granorum), bei der zweiten um eine abgewandelte Form von yu ping feng san (YS) mit huang qi, bai zhu, fang feng, xi xin, gan cao und cang er zi, also beides recht warme Formeln. Neben der Symptomausprägung wurden auch die Lebensqualität und konstitu­tionelle TCM-Merkmale ausgewertet. Gegenüber Placebo verbesserten sich die Symptome, die Lebensqualität und auch konstitutionelle Faktoren, wobei CS besser wirksam war als YS, insbesondere bei Qi Leere- und Yang Leere-Muster.

Free download unter: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4094638/

Schon geringe Unterschiede in der Drogenbehandlung können bedeutsame Auswirkungen auf die Qualität zur Folge haben:

Eine Studie untersuchte die Auswirkung verschiedener Trocknungsverfahren auf die Inhalts­stoffe von Angelicae sinensis Radix. Verglichen mit frischen Drogenscheiben wurden Drogenscheiben, die im Schatten, in der Sonne, mit heißer Luft, im Vakuum, mit Mikrowelle, mit Infrarotstrahlen oder aus einer Kombination der beiden letzteren Verfahren getrocknet wurden. Droge, die mit heißer Luft getrocknet wurde, war in der Zusammensetzung der frischen Droge ähnlich. In Vakuum getrocknete Droge bewahrte die Hauptinhaltsstoffe am besten. Die Bestandteile Coniferylferulat und Ligustilid fielen bei Trocknung in der Mikrowelle, mit Infrarot oder der Kombination signifikant ab.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24561333

Haben Sie Nebenwirkungen unter Chinesischer Arzneitherapie erlebt?

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http://www.ctca.de/images/files/CTCAMeldebogen.pdf

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